Vom Großen und vom Kleinen

Geschwister

Spätestens mit der Geburt des ersten Kindes wird man vollends zu einer kleinen Familie.
Man ist von da an zu dritt. Das kleine Wesen, noch so fremd und doch vertraut, macht das Glück und die Familie komplett…

 

Für manche mag es dann dabei bleiben. Und ein Kind ist ja auch wahrlich Arbeit und Freude genug. Andere aber mögen das Gefühl haben, da fehlt irgendwie trotzdem noch etwas…bzw. jemand. Und man entscheidet sich, mal mehr oder minder bewusst und geplant, fürs zweite Kind.

Vielleicht denkt man dann, es könne ja eh nichts Neues mehr auf einen zukommen. Alles schon gehabt, alles schon erlebt. Vor allem wenn das erste Kind nicht zu den pflegeleichten “Anfängerbabies” gehört hat, glaubt man, es könne einen nichts mehr erschüttern.
Aber: jedes Kind ist anders und bringt wieder neue Besonderheiten mit sich.

So bin ich sehr erstaunt und erfreut, dass der kleine Bruder, im Gegensatz zum großen damals, bisher tatsächlich eher pflegeleicht ist. Man muss fast schon darauf achten, dass er so später mal nicht zu kurz kommt. Wollte ich vorher nicht glauben, dass es so etwas gibt, wurde ich bisher eines Bessern belehrt. Oder mag es daran liegen, dass Zweitgeborene eben “so mitlaufen” müssen oder die Eltern mittlerweile um einiges entspannter und erfahrener sind… oder ist es die Kombination aus beidem?

Bruder

Ich will mich zumindest nicht beschweren. Denn die berühmten Drei-Monats-Koliken, die wir beim großen Bruder leider in aller Ausführlichkeit erleben durften, sind beim kleinen bisher ausgeblieben. Puh.
Und ich erinnere noch lebhaft Autofahrten mit ununterbrochen wie am Spieß schreiendem Kind im Maxi Cosi. So ist nun das einzige, was der kleine Bruder von sich gibt, wenn er in den Maxi Cosi und dann ins Auto verfrachtet wird, ein freudiges Glucksen. Klar, die meiste Zeit sitzt dann ja auch der große Bruder hinten neben ihm und macht fröhlich Faxen zur Belustigung des kleinen.

Überhaupt spürt man da schon jetzt ganz große Bruderliebe und mein Mamaherz geht auf, wenn ich mir ausmale, wie die beiden zusammen aufwachsen, gemeinsam Abenteuer erleben und später viele Erinnerungen teilen werden…

GeschwisterAber natürlich ist auch hier nicht alles nur eitel Sonnenschein. Nein, so ein kleines Wesen ist bei all der pflegeleichtigkeit doch ein einigermaßen hilfloser und schutzbedürftiger kleiner Mensch, der viel Nähe und Zuwendung braucht.
Das kann dem geduldigsten Kleinkind schon mal stinken, wenn Mama zum zehnten Mal das gemeinsame Puzzlespiel unterbricht, um dem Babybruder den Schnuller wieder in den Mund zu schieben oder gar mitten im Spiel den bespuckten Babybody wechseln gehen muss…
Aber alles in allem freut sich der Große sichtlich über die Verstärkung an der Kinderfront.

Interessanterweise ist dies auch die meistgetellte Frage, die man beim zweiten Kind von anderen zu hören bekommt: Wie die beiden sich verstehen und ob der Große denn nicht eifersüchtig sei…?!
Bisher ist zum Glück alles gut und von Eifersucht keine Spur. Allein wir Eltern sind schon mal “blöde Mama” und “doofi Papa”, wenn wir keine Zeit für ihn haben, weil wir den Kleinen versorgen müssen. Aber dem Brüderchen selbst trägt er das bisher nicht nach.
Es werden im Gegenteil fleißig Bücher und Spielsachen herbeigeschafft, die man dem Mini ja schenken kann, weil man selbst jetzt ja schon zu groß für diesen “Babykram” ist. Oder naja, zumindest ausleihen darf der kleine Bruder seine Sachen dann aber.
Im Gegenzug fordert der große aber auch die wenigen interessanten Spielsachen aus dem Babyzimmer ein: “Man muss aber auch teilen!” bekräftigt er und schnappt sich so flugs das Spielzeug des Kleinen.

Mit Sicherheit wird noch so einiges auf uns zukommen. Gerade unter Brüdern wird es bestimmt so manche Raufereien und Streiterei zu schlichten geben.
Doppelter Stress und doppelte Verantwortung bedeuten aber im Gegenzug auch doppelter Spass und verdoppelte Liebe. Mindestens.
Und schon jetzt ist der Alltag als Zweifachmama spürbar ein anderer: Plötzlich hat man Stereo-Geschrei. In Dolby Surround. Und wünscht sich gleich acht, statt wie bisher nur vier, Hände gleichzeitig zu haben.
Da fragt man sich schon kurz, was man sich damit jetzt eigentlich angetan hat.

Geschwister

Aber dann sind da eben auch diese schönen, stillen und zarten Momente.
Die Zeit jeweils mit dem Großen oder Kleinen alleine ganz bewußt zu verbringen und ungeteilte Aufmerksamkeit zu schenken. Große-Kinder-Sachen exklusiv mit dem Erstgeborenen zu unternehmen, ist toll. Er ist ganz stolz und fühlt sich dann schon sooo groß.
Aber auch morgens von Babygebrabbel geweckt zu werden und dazu dieses strahlende zahnlose Babylächeln geschenkt zu bekommen, dass einem dabei das Herz ganz weit wird.

Ja, es stimmt schon – der bis dato so gut eingespielte Familienalltag zu dritt wird durch die Geburt eines Babys doch ordentlich drucheinandergewirbelt und auf den Kopf gestellt.
Aber das ist es allemal wert und wir würden es wohl auch nicht anders haben wollen…

Bruder

 

PS:
Die 3D Handabdrücke der beiden Brüder auf dem ersten Foto haben wir übrigens mit diesem Set hier zu Hause selbst hergestellt.

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