Es gibt Blogbeiträge, die entstehen wie von selbst. Andere brauchen Zeit.
Heute nehme ich dich mit zurück in den Mai 2019: eigentlich lange her und doch so präsent. Ich wollte schon damals über die Landpartie schreiben, doch manchmal braucht es Abstand, bis Eindrücke sich setzen und Worte den richtigen Platz finden. Vielleicht lag es daran, dass dieser Kurs nicht nur Puppen entstehen ließ, sondern mich nachhaltig bewegt hat.
Erst jetzt, als ich durch Fotos und Notizen blätterte, merkte ich, wie sehr diese Tage nachklingen und wie sehr sie mich im Atelier begleitet haben. Also ist es Zeit, ihn endlich aufzuschreiben.
Vom ersten Moment der Verbundenheit
“…Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne…” das wusste bereits Herman Hesse.
Und an diesen Satz muss ich oft denken, wenn ich Puppen mache:
Es erstaunt mich selbst immer wieder aufs Neue, wie aus etwas Wolle und Stoff nur mit Hilfe von Nadel und Faden schließlich wie durch Zauberei ein herzberührendes Puppenwesen entstehen kann. Meine Faszination darüber und für das Puppennähen selbst, ist auch nach Jahren nicht geringer geworden.
Zauberei ist für mich auch, wie das Puppennähen aus zwölf einander zuvor fremden Frauen in nur vier Tagen eine Verbundenheit schaffen kann. Der Hände Werk rührt das Herz an und lässt etwas in einem klingen. Für diesen Zauber braucht es den Ort, die Zeit, die gemeinsame Leidenschaft und ein offenes Herz… und zwei Menschen, die all das halten können.
Diesen Rahmen erschufen Maria (Mariengold) und Laura (1000 Rehe) bereits zum dritten Mal während ihrer Landpartie im Refugium Hoher Fläming. Ich durfte mich im Mai 2019 dazugesellen.

Ein Zuhause auf Zeit
Vier Tage ungestörte Puppenwerkelei liegen nun hinter mir. Der Veranstaltungsort dieser Puppen Landpartie 2019 war ein ehemaliger Bauernhof, wildromantisch und großzügig. Von Mittwoch bis Sonntag konnten wir uns dort ganz dem Tun hingeben.

Untergebracht waren wir während diesem Puppenmacherei Retreat in Mehrbettzimmern. Zunächst mit ein wenig Unsicherheit, denn man weiß nie, wen man dort trifft. Doch dank Marias Gespür für Menschen löste sich jede Sorge bald auf.
Schon nach kurzer Zeit fühlte es sich an wie ein kleines Zuhause auf Zeit.


Maria und Laura hatten eine Auswahl an Puppenkleidern, Materialien und Zubehör bereitgestellt. Alles, was das Herz begehrte, um die entstehenden Puppen später liebevoll auszustatten.

Es war ein bisschen wie Schatzsuche: Stoffe fühlen, Farben vergleichen, Möglichkeiten sehen.

Nähen, reden, schweigen, lachen
An der langen Tafel wurde genäht, gewerkelt, gestopft, gerollt, geschwitzt, geplaudert, gelacht, geflucht, gekichert, ermutigt und getröstet. Es wurde gemeinsam geschwiegen und wieder gesprochen. Jeder Moment diente dem Prozess.
Maria war geduldig, zugewandt und oft mit einem Lächeln unterwegs: ein ruhender Pol für alle.

Laura brachte dagegen eine lebhafte, sprudelnde Kreativität mit, die oft Funken entzündete, Ideen anstieß und uns mit ihrer warmen Energie mitriss.

Mein Beitrag: Rollstopfen lernen
Ich durfte einen Teil beitragen und einen Mini-Workshop zur Roll-Stopftechnik anleiten. Mit dem Roll-Stopfstab lassen sich Glieder besonders fest stopfen.
Jede Teilnehmerin bekam dazu mein Ebook, ein Paar vorbereitete Puppenarme und einen Roll-Stopfstab in der „Limited Landpartie Edition“.
Auch meine eigene Puppe diente dabei als Modell und wartete geduldig auf ihren Einsatz.
Die Puppen entstehen

Es war berührend zu beobachten, wie konzentriert und hingebungsvoll gearbeitet wurde. Fast jeden Abend wurde bis spät genäht, modelliert und stolz betrachtet, was da wuchs: kleine Wesen, die nach und nach Gesicht und Ausdruck bekamen.
Mit dieser neuentfachten Leidenschaft und viel Geduld entstanden tatsächlich in nur vier Tagen zwei Puppen pro Teilnehmerin. Jede einzelne trug ihre eigene Handschrift, ihren Ausdruck, ihre Geschichte.



Manchmal brauchte es nur kleine Pausen, um mit frischem Blick weiterzumachen.
Zwischen all dem konzentrierten Tun gab es auch diese kleinen stillen Atemzüge.

Momente, in denen jemand kurz innehielt, die Hände ausruhen ließ, über die Schulter auf andere Werke schaute und ein Lächeln teilte.

Solche Augenblicke machten sichtbar, wie sehr jede von uns nicht nur nähte, sondern in einem gemeinsamen Prozess wuchs: getragen von Austausch, Mutmachern und diesem Gefühl, etwas Bedeutendes zu schaffen.
Und dann dieser fast heilige Moment: das Auftragen der Wangenröte – als würden die Puppen zum ersten Mal „atmen“.

Die Puppenschar und ihr Zauber
Am Abschlusstag wurden alle Puppen fotografisch in Szene gesetzt. So unterschiedlich und doch ähnlich im Herzen, zeigten sie die Individualität ihrer Makerinnen und die Wärme der Tage.
Die Puppenschaar: So vielfältig und unterschiedlich und dabei doch auch wieder im Herzen ähnlich – Ebenso wie auch ihre Puppenmacherinnen selbst.
Jede ein Kunstwerk für sich, dem man die Liebe und Leidenschaft fürs Puppennähen ansieht.
Abschied und Ausblick

Ein herzliches Dankeschön gilt Maria und Laura, die diesen Raum möglich machten und uns getragen haben: mit Feingefühl, Leichtigkeit und Ernsthaftigkeit dort, wo es nötig war.
Am Ende dieser vier Tage blieb nicht nur ein Gefühl von Verbundenheit, ein Stapel gefüllter Erinnerungsmomente und selbstgenähte Puppen, sondern die Gewissheit, dass dieses gemeinsame Machen etwas Besonderes ist. Ich habe viel gelernt, geteilt, bekommen und weitergegeben.
Und weil Zauber dann am schönsten ist, wenn er weitergegeben wird, habe ich eine kleine Empfehlung an dich: Die nächste Landpartie ist bereits in Planung und wird 2027 stattfinden. Wenn dich das Puppenmachen ruft, wenn du Gemeinschaft suchst oder einfach Lust hast, dir selbst eine Auszeit voller Handarbeit und Herz zu schenken, dann halte Ausschau und melde dich an. Es lohnt sich aus ganzem Herzen.
PS: Die Blogposts zu der Mai Landpartie 2019 gibt es hier bei Maria und hier bei Laura.






