Von Geduld, Selbstzweifel und einer Wunschpuppe nach Zeichnung

Mittwoch, der 11. April 2018

Bereits Ende letzten Jahres bekam ich einen spannenden Puppennähauftrag:
Ich sollte eine ganz besondere Wunschpuppe nach einer Zeichnung anfertigen.
So die Vorgabe, deren Umsetzung ich mich gern stellen wollte.

Natürlich entstehen letztlich alle meine neuen Puppen nach einer gezeichneten Vorlage – Nach einer Zeichnung, die ich vorher zur Visualisierung meiner Idee selbst anfertige.

Puppe nach Zeichnung

…Aber diesmal bat mich Kathrin von www.kaffeepause.shop eine Wunschpuppe nach einer ihrer eigenen Zeichnungen für sie zu nähen:

Zeichnung Puppe Arzt

Ich liebe ja Herausforderungen und daher habe ich mich sehr über diesen Auftrag gefreut!

Die Puppe selbst sollte eine Minipüppi sein. Also zwischen 25 und 30 cm groß.
Ich passte mein Puppenschnittmuster erst noch ein wenig an, um es besser der Zeichnung entsprechend umzusetzen und nähte somit letztlich eine 30 cm große Puppe, die auch frei sitzen kann.

Zeichnung Puppe Arzt nach Bild

 

Kreative Selbstzweifel

Natürlich beschlich mich irgendwann auch die Sorge, dass ich vielleicht mit meiner Umsetzung  die Vorstellungen und Erwartungen nicht erfüllen würde können. Immerhin legt so eine Zeichnung vieles schon sehr genau fest. Da bleibt weniger kreativer Spielraum.

Diese generelle Sorge verfolgt mich aber bei fast jeder Wunschpuppe, die ich nähe. Ich versuche immer mein bestes zu geben, um mit den Wünschen und Vorstellungen der Puppeneltern im Hinterkopf, letztlich den Spagat zwischen Qualitätsanforderung und kreativer Umsetzung zu schaffen.
Immerhin lege ich meine Liebe, mein Können und Wissen und irgendwie auch einen Teil meines kreativen Selbst in jede Puppe, die ich mache. Und um kreativ zu sein, muss man sich zu einem gewissen Teil öffnen aber gerade damit macht man sich auch verletzlich. Jedoch liegt darin gleichzeitig auch die Schönheit und Liebe des Schaffens.
Und so ein wenig Selbstzweifel gehört dann wohl dazu und tragen alle Kreativen daher naturgemäß mit sich herum?

Nachdem ich meine Selbstzweifel im Griff hatte und die Puppe genäht war, ging es an die kniffligen Teile des Auftrags: die Kleidung und das Haar.

Geduld

Jedoch ahnte ich nicht, dass ich vorher erst noch ganz andere Klippen zu umschiffen hätte:
Denn Ende des Jahres machte mir der Lieferant einen Strich durch die Rechnung – das benötigte Material war lange vergriffen… so dass sich die Herstellung dieser Puppe schließlich bis in März ziehen würde.

Auch hatte ich vorher für meine Puppen noch keinen Kasack mit Taschen genäht.
Also hieß es erstmal ein Schnittmuster dafür entwerfen und nähen, bis es passt…

Zeichnung Puppe Arzt

Die nächste Herausforderung stellten der Mundschutz und die Sandalen dar.
Nach einigen Vorüberlegungen zu Materialwahl und Machbarkeit entschied ich  mich schließlich dazu, beides in der passenden Wollfarbe zu häkeln und damit den Kompromiss in der Umsetzung zu machen, um der Vorgabe im Bild am nächsten zu kommen.

Zeichnung Puppe Arzt

Die Haare waren noch eine kleine Herausforderung – denn leider war die genaue Haarfarbe aus der Zeichnung als Puppenhaar nicht verfügbar – also versuchte ich etwas ähnliches zu wählen und häkelte aus hellbrauner Mohairwolle eine Perrückenkappe mit Locken.

Zeichnung Puppe Arzt

Die erste Version hatte zunächst noch einen höheren Haaransatz.
Nach Rücksprache mit Kathrin, änderte ich das Haar schließlich noch mal, so dass die Puppe nun nicht mehr so eine hohe Stirn haben würde.

Zeichnung Puppe Arzt

Ergebnis

Letztlich war es geschafft – Die Wunschpuppe nach Kathrins Zeichnung war fertig:

 

Zeichnung Puppe Arzt

 

 

Ich bin sehr dankbar dafür, auch an solchen speziellen Wunschpuppen-Aufträgen arbeiten zu können. Denn sie stellen mich vor neue Herausforderungen, ich lerne selbst dabei neues und so lassen sie mich letztlich auch kunsthandwerklich wachsen.

Aber vor allem bin ich dankbar, für alle diejenigen, die sich für eine (Wunsch-)Puppe aus meinen Händen entscheiden. Dankbar, so viele wunderbare Kunden zu haben, die mir vor allem ihr Vertrauen und Geduld schenken und an meine kreative Arbeit glauben…

Danke! :)

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Von schwierigen Fällen

Dienstag, der 10. April 2018

 

Anfang Januar erreichte mich ein Notruf von den Puppengroßeltern eines heißgeliebten und damit leider schon sehr zerliebten Püppchens.
Kuschelmännchen „Alvi“ war treuer und stetiger Begleiter seiner Puppenmama. Er war schon bei der Eingewöhnung dabei und auch heute noch jede Nacht an ihrer Seite einschlummern half… Klar, dass der Notruf lautete „aber bitte auch schnell“. Nun gut, ich liebe ja Herausforderungen und somit machte ich schnell ein Patientenbettchen in meinem Puppenkrankenhaus für die Expressbehandlung frei….

 

 

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